Alltag in Norwegen: Wohnen, Preise und Winter
In den ersten Monaten in Norwegen geht es vor allem um Praktisches: eine Wohnung finden, BankID bekommen, verstehen, warum das Bier um acht Uhr abends aus den Supermarktregalen verschwindet, und den ersten dunklen Winter überstehen. Hier sind die Tipps, die ich selbst gern früher bekommen hätte.
Eine Wohnung mieten
Fast alle Mietwohnungen stehen auf finn.no. Gute Wohnungen in Oslo, Bergen und Trondheim sind schnell weg, schicken Sie also eine kurze, ordentliche Nachricht: wer Sie sind, wo Sie arbeiten und wann Sie einziehen können. Bei der Besichtigung zieht man üblicherweise die Schuhe aus.
Bestehen Sie immer auf einem schriftlichen Mietvertrag (husleiekontrakt) – der Verbraucherrat (Forbrukerrådet) hat einen Standardvertrag, den viele verwenden. Nach dem Mietgesetz darf die Kaution (depositum) höchstens sechs Monatsmieten betragen, und sie muss auf einem separaten Kautionskonto auf Ihren Namen liegen, nicht auf dem Privatkonto des Vermieters. Überweisen Sie nie eine Kaution an jemanden, den Sie nicht getroffen haben, oder für eine Wohnung, die Sie nicht gesehen haben. Betrügerische Anzeigen sind leider häufig, vor allem kurz vor Semesterbeginn.
BankID und das digitale Norwegen

BankID ist der Schlüssel zu fast allem: nav.no, skatteetaten.no, helsenorge.no, Vipps, Mietverträge und Stromverträge. Sie bekommen es über eine norwegische Bank, sobald Sie eine fødselsnummer und einen anerkannten Ausweis haben. Manche Banken verlangen persönliches Erscheinen, und mit Pässen aus manchen Ländern kann es dauern – fangen Sie also früh an.
Wenn BankID eingerichtet ist, laden Sie Vipps herunter. Norweger «vippsen» sich Geld für alles, von der Restaurantrechnung bis zum Gebrauchtkauf auf finn.no, und Bargeld wird selten benutzt. Prüfen Sie auch, ob Sie Digipost oder e-Boks aktiviert haben, denn Behördenpost kommt immer öfter digital statt in den Briefkasten.
Preise und Vinmonopolet
Norwegen ist teuer, aber nicht überall gleich teuer. Restaurants, Alkohol, Tabak und Handwerker kosten viel. Lebensmittel sind teuer, doch die Discounter Rema 1000, Kiwi und Extra halten die Preise unten, und viele kaufen einmal pro Woche groß ein. Nehmen Sie wie die Norweger ein Pausenbrot (matpakke) mit, dann sparen Sie einiges.
Bier mit wenig Alkohol gibt es im Supermarkt, aber nur bis 20 Uhr an Werktagen und bis 18 Uhr am Samstag. Sonntags verkaufen die Läden gar kein Bier. Wein, Spirituosen und Bier über 4,7 Prozent gibt es nur bei Vinmonopolet, der staatlichen Ladenkette. «Polet» hat eine gute Auswahl und kundiges Personal, ist aber sonntags und an Feiertagen geschlossen – vor Ostern und Weihnachten also rechtzeitig planen.
Wetter, Kleidung und Dunkelzeit

Früher oder später hören Sie: «Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.» Das stimmt im Großen und Ganzen. Kaufen Sie Wolle als unterste Schicht, eine gute wind- und wasserdichte Jacke und Schuhe mit grobem Profil oder Spikes (brodder) für Eis. Kindergartenkinder sind bei fast jedem Wetter draußen, rechnen Sie also mit Schneeanzug, Regenkleidung und Wollunterwäsche.
In Nordnorwegen steigt die Sonne mitten im Winter wochenlang nicht über den Horizont – in Tromsø etwa von Ende November bis Mitte Januar. Aber auch in Oslo sind die Tage im Dezember kurz. Gehen Sie ins Tageslicht, wann immer es geht, überlegen Sie sich eine Tageslichtlampe und sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt über Vitamin D. Und melden Sie sich irgendwo an: Chor, Sportverein, Kurs. Mit anderen ist der Winter leichter.
Öffentlicher Verkehr
Jede Provinz hat ihr eigenes Verkehrsunternehmen: Ruter in Oslo und Akershus, Skyss in Vestland, AtB in Trøndelag, Kolumbus in Rogaland und so weiter. Tickets kauft man in der App des Unternehmens, und eine Monatskarte lohnt sich schnell, wenn Sie pendeln. Vy betreibt die meisten Züge in Ostnorwegen und zwischen den großen Städten.
Die App Entur ist das beste Werkzeug, um Reisen im ganzen Land zu planen – Zug, Bus, Boot und Fähre in einer Suche. Wenn Sie Auto fahren: Maut wird automatisch über AutoPASS abgebucht, und Winterreifen braucht man einen großen Teil des Jahres. An der Küste ist die Fähre Teil der Straße und vielerorts der einzige Weg ans Ziel.
Norwegischkurse, Norskprøve und Staatsbürgerschaft
Die Kommune bietet Norwegischunterricht an, ob er kostenlos ist, hängt aber von Ihrem Aufenthaltsstatus ab. Arbeitsmigranten aus dem EWR müssen meist selbst zahlen, entweder bei der kommunalen Erwachsenenbildung, einer Privatschule oder für einen Onlinekurs. Folkeuniversitetet und viele Hochschulen bieten Abendkurse an.
Die Norwegischprüfung (norskprøven) misst mündliche und schriftliche Fähigkeiten von A1 bis C1, und das Ergebnis wird von Arbeitgebern, Bildungseinrichtungen und Behörden genutzt. Wer die norwegische Staatsbürgerschaft beantragt, muss unter anderem mündliches Norwegisch mindestens auf B1-Niveau nachweisen – die Anforderung wurde im Herbst 2022 verschärft – und den Staatsbürgerschaftstest bestehen. Die Regeln ändern sich gelegentlich, prüfen Sie also vor dem Antrag udi.no. Der beste Rat bleibt aber einfach: Sprechen Sie Norwegisch, auch wenn man Ihnen auf Englisch antwortet.
Nützliche Ausdrücke
- Er leiligheten fortsatt ledig?Ist die Wohnung noch frei?
- Når kan jeg komme på visning?Wann kann ich zur Besichtigung kommen?
- Er strøm inkludert i husleia?Ist Strom in der Miete enthalten?
- Kan jeg vippse deg?Kann ich dir das per Vipps schicken?
- Når stenger polet?Wann macht das Vinmonopol zu?
- Hvor går bussen til sentrum?Wo fährt der Bus ins Zentrum ab?
- Det er så mørkt om vinteren.Im Winter ist es so dunkel.
- Kan du snakke litt saktere?Kannst du etwas langsamer sprechen?
- Jeg vil gjerne øve på norsk.Ich würde gern mein Norwegisch üben.
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