Deutsch
Typische Fehler Deutschsprachiger im Norwegischen
Hier findest du 25 Fehler, die Deutschsprachigen im Norwegischen besonders oft passieren, jeweils mit der richtigen Version und einer kurzen Erklärung. Viele entstehen gerade deshalb, weil sich die beiden Sprachen so ähnlich sind.
Wortstellung
-
Jeg ble hjemme fordi jeg syk var.
Jeg ble hjemme fordi jeg var syk.
Eine Verbendstellung im Nebensatz gibt es im Norwegischen nicht. Nach «fordi», «at», «når» oder «hvis» folgt das Verb direkt auf das Subjekt, genau wie im Hauptsatz. Also nicht «weil ich krank war» nachbauen, sondern «fordi jeg var syk».
-
Jeg har boka allerede lest.
Jeg har allerede lest boka.
Die deutsche Satzklammer («Ich habe das Buch schon gelesen») kennt das Norwegische nicht. Das Partizip steht direkt hinter «har» – nur Adverbien wie «allerede» oder «ikke» dürfen dazwischen –, und erst danach kommt das Objekt.
-
Jeg kjenner mannen ikke.
Jeg kjenner ikke mannen.
Im Deutschen wandert «nicht» ans Ende («Ich kenne den Mann nicht»). Im Norwegischen steht «ikke» gleich nach dem konjugierten Verb und vor dem Objekt. Nur ein unbetontes Pronomen darf davor rutschen: «Jeg kjenner ham ikke».
Verben
-
Jeg er vært i Tromsø to ganger.
Jeg har vært i Tromsø to ganger.
«Være» bildet das Perfekt immer mit «har», auch wenn es im Deutschen «ich bin gewesen» heißt. Bei Ortswechseln gibt es zwar «er» + Partizip («Han er reist» = er ist weg, «Hun er gått» = sie ist schon gegangen), aber nur, wenn der Zustand danach zählt. Für Aktivitäten gilt «har»: «Vi har gått 20 kilometer i dag».
-
Jeg har vært i Bergen i fjor.
Jeg var i Bergen i fjor.
Mündlich erzählt man im Deutschen fast alles im Perfekt. Im Norwegischen gilt: Wird ein abgeschlossener Zeitpunkt genannt (i fjor, i går, i 2019), steht das Präteritum. «Jeg har vært i Bergen» ohne Zeitangabe ist dagegen richtig.
-
Jeg bor i Norge siden 2019.
Jeg har bodd i Norge siden 2019.
«Ich wohne seit 2019 in Norwegen» steht im Präsens. Im Norwegischen braucht man hier das Perfekt, weil die Handlung in der Vergangenheit begann und bis jetzt andauert. Genauso: «Jeg har jobbet her i tre år».
-
Du må ikke komme i morgen, vi klarer oss.
Du trenger ikke å komme i morgen, vi klarer oss.
Vorsicht: «må ikke» heißt «darf nicht», nicht «muss nicht». Für «du musst nicht kommen» sagt man «du trenger ikke (å) komme». Sonst lädst du jemanden aus, statt ihn zu entlasten.
-
Vi ser oss i morgen!
Vi ses i morgen!
«Wir sehen uns» Wort für Wort übersetzt klingt falsch. Für das Gegenseitige benutzt das Norwegische die s-Form: «Vi ses», «Vi treffes», «Vi snakkes».
Wortschatz
-
Jeg har tørst. Har du noe vann?
Jeg er tørst. Har du noe vann?
Hunger und Durst «hat» man nur auf Deutsch. Auf Norwegisch «ist» man es: «Jeg er sulten», «Jeg er tørst». Ebenso bei der Kälte: «Jeg fryser» (mir ist kalt).
-
Jeg bekom en fin gave til bursdagen.
Jeg fikk en fin gave til bursdagen.
«Bekommen» heißt auf Norwegisch «få». Das norwegische «bekomme» kennt man fast nur aus «Vel bekomme!», der Antwort auf «Takk for maten», und es bedeutet «bekömmlich sein».
-
Jeg er fast ferdig med oppgaven.
Jeg er nesten ferdig med oppgaven.
Norwegisches «fast» heißt «fest»: «fast jobb» (Festanstellung), «Bilen sitter fast» (das Auto steckt fest). Das deutsche «fast» im Sinne von «beinahe» ist «nesten».
-
Jeg tenker at det blir regn i morgen.
Jeg tror det blir regn i morgen.
Ein deutsches «ich denke, dass …» als Meinung ist im Norwegischen «tror» (Vermutung) oder «synes» (Urteil: «Jeg synes filmen var bra»). «Tenke» heißt nachdenken: «Jeg tenker på deg».
Pronomen
-
De elsker seg.
De elsker hverandre.
«Sie lieben sich» meint im Deutschen meist «einander». Norwegisches «seg» ist aber rein reflexiv, «De elsker seg» klingt also, als liebe jeder nur sich selbst. Für das Gegenseitige sagt man «hverandre»: «Vi kjenner hverandre».
-
Ola vasker bilen hans hver lørdag.
Ola vasker bilen sin hver lørdag.
Ist der Besitzer das Subjekt desselben Satzes, nimmt man «sin/si/sitt/sine». «Ola vasker bilen hans» heißt, dass Ola das Auto eines anderen Mannes wäscht. Das deutsche «sein» macht diesen Unterschied nicht.
-
Stolen er ny. Han er fra IKEA.
Stolen er ny. Den er fra IKEA.
Im Deutschen richtet sich das Pronomen nach dem Genus («der Stuhl – er»). Im Bokmål sagt man bei Dingen «den» (en- und ei-Wörter) oder «det» (et-Wörter). «Han» und «hun» für Gegenstände hört man in Dialekten und im Nynorsk, im Standard-Bokmål aber nicht.
-
Unnskyld, kan De hjelpe meg?
Unnskyld, kan du hjelpe meg?
Das Siezen ist in Norwegen praktisch verschwunden. Man duzt die Ärztin, den Chef und die Kassiererin. Die Höflichkeitsform «De» wirkt heute altmodisch oder sogar ironisch.
Artikel und bestimmte Form
-
Kan jeg få en eple?
Kan jeg få et eple?
Das Genus stimmt oft nicht mit dem Deutschen überein: der Apfel – et eple, der Name – et navn, der Brief – et brev, das Auto – en bil. Lerne jedes Substantiv mit seinem Artikel, statt vom Deutschen auszugehen.
-
Vi har kjøpt det gamle hus ved sjøen.
Vi har kjøpt det gamle huset ved sjøen.
Steht ein Adjektiv zwischen «den/det/de» und dem Substantiv, bekommt das Substantiv trotzdem die bestimmte Endung: det gamle huset, den røde bilen. Im Deutschen reicht ein Artikel, im Norwegischen wird die Bestimmtheit doppelt markiert.
Adjektive
-
Huset er stor.
Huset er stort.
Im Deutschen bleibt das Adjektiv nach «sein» unverändert («Das Haus ist groß»). Im Norwegischen wird es auch nach «er» angepasst: «Huset er stort», «Bilene er nye», «Barna er glade».
-
Hun synger vakker.
Hun synger vakkert.
Adverbien, die von Adjektiven kommen, bekommen im Norwegischen ein -t, das es im Deutschen nicht gibt: «sie singt schön» – «hun synger vakkert». Ebenso «Han snakker godt norsk», «Hun tegner pent».
Präpositionen
-
Jeg bor ved en venn i Trondheim.
Jeg bor hos en venn i Trondheim.
Deutsches «bei» + Person heißt «hos»: hos legen (beim Arzt), hos frisøren, hos mormor. «Ved» bedeutet räumlich «an, neben»: «ved sjøen», «ved siden av».
-
Jeg gleder meg på sommerferien.
Jeg gleder meg til sommerferien.
«Sich auf etwas freuen» heißt «glede seg til». Freust du dich über etwas, das schon da ist, sagst du «glede seg over». «På» passt hier nicht.
Rechtschreibung
-
Vi har kjøpt en ny Bil og et stort Hus.
Vi har kjøpt en ny bil og et stort hus.
Substantive schreibt man im Norwegischen klein. Groß schreibt man nur Eigennamen und den Satzanfang: «Bergen», «Norge», «Ola» – aber «bil», «hus», «mandag», «tysk».
Aussprache
-
Vi skal spise [ˈʃpiːsə].
Vi skal spise [ˈspiːsə].
Am Wortanfang spricht man «st» und «sp» so, wie man sie schreibt, also mit klarem [s] und nicht wie in «Stein» oder «Spiel». Sonst klingen «spise», «stor» und «stasjon» sofort deutsch.
-
Vi går på kino [ˈkiːno].
Vi går på kino [ˈçiːnu].
Vor i und y wird «k» zu einem weichen Laut wie im deutschen «ich»: kino, kirke, kilo, kylling. Das «o» am Ende klingt hier fast wie ein deutsches «u».